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Ich war im Oktober 2019 auf der Föhre von Dagebüll nach Föhr und meine Holga 120 stand auf dem Stativ neben mir. Ein fahriger Mann kam herbei und frug, ob er sie sich einmal leihen könne, um Seehunde oder Eisbären zu sichten, mit der könne man doch sicherlich zoomen. ... Daß derartige Geistesstörungen kein Einzelfall sind, erzählt der folgende Essay. (RS)


 

 

Summ, summ und die seltenen Mandarinenten

Ein sonniger Herbstnachmittag, den ich mit der Kamera einzufangen gedenke. Die Wahl der heutigen Begleitung fällt spontan auf eine Diana F+, nicht unbedingt für ihre realistische, dafür aber stimmungsvolle Bildwiedergabe bekannt. Im Zeitalter von Smartphonefotografie noch einmal der Hinweis, es handelt sich um eine echte Kamera für 120er Rollfilme, deren Objektiv nicht eingeebnet ist in die Plattheit eines iphone 8, Samsung S9, Huawei P10, DIngDong Q111, ... sondern etwa 3 cm aus dem Kameragehäuse hervorsticht.
Ich lustwandle also nichtsahnend am Teich entlang, überschreite eine Brücke, die den Blick auf einen weiteren Teich freigibt, der gerade von einigen Enten frequentiert wird.

Plötzlich hinter mir aufgeregtes, sich rasch näherndes Getrippel und eine Ansprache von hinten, pardon, nein, inzwischen von der Seite. Ob ich denn die Mandarinenten gesehen hätte? Nein. Na, da drüben auf dem Teich. Soweit war ich doch noch gar nicht. Die sind auch nur schwer zu erkennen. Ja, aber die können Sie doch mit Ihrem Zoom groß machen. Nein, kann ich nicht.

Die Kamera hat kein Zoom. Ungläubig: doch, das da? Und deutet auf das stolze Objektiv mit Festbrennweite, 3 Entfernungszonen, 3 Blenden zwischen 8 und 16, symbolisiert durch Sonne (heute 🐀), bewölkt oder Regen, und zwei Belichtungszeiten „normal“ (ca. 1/125) oder B (gerne mit beliebig (lange, nicht kurz) übersetzt. Große, japanische Augen schauen mich an und können nicht fassen, dass es Kameras ohne summ, summ gibt, mit denen man Mandarinenten groß machen könnte.